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Mittwoch, den 24.09.2008
Nach Frühstück und meditativem Einstieg in der Katholischen Kirche von Planina, pilgern wir schweigend nach Logatec.

Ich kann den Weg wahrnehmen, weil das liebliche Tal von Planina mit blühenden Wiesen, grasenden Kühen, mit einer Sonne die gerade durch den Morgennebel dringt, uns als ein wirklicher Pilgererlebnisweg entgegenkommt.

Bei unserer Mittagspause können wir auf einer sonnenüberfluteten Lichtung lagern. Die Bedingungen sind ideal. Die Wegstrecke führt in gemäßigten Auf- und Abstiegen letztendlich über einen Höhenrücken direkt auf den kleinen Ort Logatec zu, der uns schon von weitem mit seinen drei Kirchtürmen begrüßt.
Der Bus bringt uns wieder nach Planina in das Center Mariapoli zurück.

Nach Regeneration starten wir zu einem Besuch der Lutherischen Gemeinde „Kirche Primoz Trubar" in Ljubljana. Im Jahre 2008 hat die kleine Evangelische Kirche unter Beteiligung von hohen Würdenträgern aus Staat und Kirche und starker Anteilnahme der Gesamtbevölkerung das Großereignis „500 Jahre Primoz Trubar (1508-1588)" mit einem ökumenischen Fernsehgottesdienst gefeiert. Er gilt als der „slowenische Luther", war der Begründer der Reformationsbewegung im Katholischen Slowenien und Begründer des slowenischen Nationalbewusstseins, weil durch seine Bibelübersetzung die Landessprache festgeschrieben wurde.

Auf Anfrage erfahren wir noch, dass ökumenische Aktivitäten jeweils im Wechsel der Konfessionen geleitet werden, zurzeit unter evangelischer Führung stehen.

Die slowenischen Christen gehören zu 70% der Katholischen Kirche an. Nur 1% sind evangelische Christen. Wir erhalten von Pfarrer Geza Filo zunächst einen geschichtlichen Abriss über die Entwicklung der Lutherischen Gemeinde der wechselvollen Geschichte der evangelischen Christen in Slowenien allgemein und deren augenblickliche Situation. Heute besteht die Gemeinde aus 250 Mitgliedern mit steigender Tendenz, in der sonntäglich auch deutschsprachige Gottesdienste gehalten werden.

Gleichzeitig mit dem Aufbau der Gemeinde gründete Geza Filo mit anderen die Evangelisch Humanitäre Organisation „EHO-PODPORNICA" (dt.: „Unterstützung") ein Sozialprojekt, das auch vom Gustav-Adolf-Werk zur überkonfessionellen Unterstützung von Bedürftigen finanziell unterstützt wird. Die humanitäre Hilfe beinhaltet: Verteilung von Lebensmitteln, warme Mahlzeiten, Zahlung von Energie- und Schulkosten, geistliche Begleitung, Ausleihen von 35 Pflegebetten (gespendet von der Württenbergischen Landeskirche), Transport zu Gottesdiensten.

Des Weiteren wird noch das Projekt „mobile Diakonie im Prejmure-Gebiet" (hier leben die größten Pfarrgemeinden mit bis zu 2000 Gemeindemitgliedern) betrieben. Die Organisation lebt von Spenden und der finanziellen Unterstützung von Staat und Sportlotterie. Die Weltgebetstagsarbeit, die Pfarrerin Corinna H. im Auftrag der EKD in Slowenien begründet hat, ist ein wesentlicher Teil ökumenischen Miteinanders, das Frauen bewirken. In der Weltgebetstagsarbeit engagieren sich mit Corinna H. Gemeindefrauen, Frauen aus der katholischen Fokolarbewegung und Junge Menschen, die sich zum Taize-Gebet treffen. Aus allen Richtungen wird eine große Offenheit für Ökumene eingebracht.

Diese ökumenischen Frauen sind es auch, die unsere Begegnung und den persönlichen Austausch ermöglichen. Wir haben Gelegenheit unsere Anliegen zur Teilnahme am ökumenischen Europa-Egeria-Pilgerprojekt vorzustellen. Wir erleben eine aktive evangelische Gemeinde, die in den slowenischen Medien durch Gottesdienstübertragungen und „Wort zum Sonntag" präsent ist und darüber hinaus noch seit der politischen Wende ein Mandat im nationalen Fernsehrat hat.

Bei dem für uns vorbereiteten Buffet mit landestypischen Köstlichkeiten geschieht in der Tat Annäherung durch intensiven Austausch über die durch politischen und kulturellen Landesgegebenheiten unterschiedlichen Lebensformen. Die slowenischen GastgeberInnen wie die Pilgerinnen nutzen die Möglichkeit sich im Gespräch näher kennen zu lernen.

Den Abend können wir noch in einem „Politischen Abendgespräch" mit unserer deutschsprachigen Übersetzerin, slowenischen Pilgerschwester und landeskundiger Referentin Nadja zur Vertiefung unserer Eindrücke nutzen. Nachgefragt werden die politischen Gegebenheiten, die sozialistische Vergangenheit, die Rolle der Frau und die Bedingungen unter denen Frauen in Slowenien leben und arbeiten.

Dankbar für die Gastfreundschaft, bereichert und stark beeindruckt kehren wir in das Center Mariapoli zurück.

Eva


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wir pilgern von Planina nach Logatec
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wir sind zu Gast in der evangelischen Primoz Trubar Kirche, die den 500. Geburtstags ihres Reformators 2008 feiert