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Donnerstag, den 25.09.2008
In Ljubljana sind wir im Büro des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission zu einem Informationsbesuch angemeldet. Büroleiterin Natasa Gorsek Mencin und Presseattache Maja Kezunovič Krasek empfangen uns zusammen mit zwei Praktikantinnen aus der Deutschen Botschaft in Ljubljana.

Doris stellt das Egeria-Projekt und die Pilgerinnengruppe vor und zeigt die bisherigen Begegnungen in Slowenien auf.
Unser Interesse richtet sich vor allem darauf, wie die slowenische Bevölkerung den EU-Beitritt ihres Landes empfindet. Wir erfahren von Natasa, dass er von der Mehrheit der Menschen positiv beurteilt werde, da er einen großen politischen Erfolg darstelle. Außerdem bringe er eine Erweiterung des eigenen Raumes Richtung Westen mit sich, damit verbunden seien viele neue Möglichkeiten, eine neue Sicherheit und Freiheit. Slowenien sei als Staat noch ein „Backfisch", der durch die Mitgliedschaft in der EU und vor allem durch die Ratspräsidentschaft sein „Reifezeugnis" bekommen habe. Darauf seien die meisten Slowenen stolz. Trotzdem sei es wohl schwierig, wie in anderen Staaten der EU auch, die Menschen von der Notwendigkeit zu überzeugen, 2009 zur Europawahl zu gehen. Der europäische Gedanke müsse in Verbindung gebracht werden mit seiner Bedeutung für die persönliche Freiheit des einzelnen. Dafür müssten die unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Aktionen angesprochen werden.

Die Frage nach dem Beitrag der slowenischen Ratspräsidentschaft könne noch nicht endgültig beantwortet werden, so Natasa Gorsek Mencin. Die Wirksamkeit der Ratspräsidentschaft eines Regierungschefs hänge nicht von der Größe seines Landes ab. Entscheidend sei, wie weise im Rahmen des Europäischen Rates Entscheidungen gefällt werden könnten.

Der zweite Themenbereich, dem unsere Fragen gelten, ist die Stellung der Frau in Slowenien und was das Land in der EU für die Frauenrechte tun kann.
Die beiden Referentinnen verweisen darauf, dass in diesem Bereich die gleichen Probleme bestünden wie in den anderen Ländern auch. Frauen, die eine Karriere anstreben, werde immer die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestellt, Männern nie. Die beiden jungen Frauen wissen sehr gut, wovon sie sprechen, denn die eine hat zwei, die andere drei Kinder!

Die Forderung, dass Frauen für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn bekämen wie Männer, sei auch in Slowenien noch nicht verwirklicht, jedoch stünde Slowenien im internationalen Vergleich gut da. Nach der Geburt eines Kindes gebe es drei Monate bezahlten Erziehungsurlaub, der auch von den Vätern in Anspruch genommen werden könne. Das Amt für Gleichstellung befasse sich mit diesen Fragen. Außerdem seien vor zwei Jahren alle Verbände, die für Frauen arbeiten, in einer Lobby, auch einer europäischen, zusammengeschlossen worden.

Bei der Wahl vor einer Woche wurde angestrebt, möglichst viele Frauen als Abgeordnete ins Parlament zu bringen. Doch obwohl auf den Wahllisten ein Drittel Kandidatinnen waren, von denen mindestens eine auf einem vordersten Platz stehen musste, war das Ergebnis enttäuschend: von 90 Sitzen im Parlament werden nur 12 von Frauen eingenommen.

Nach einigen Bus-Irrwegen von Lubljana nach Rogaska Slatina treffen wir schließlich Greta Rottmeier-Klacnic, die uns heute führen wird und fahren mit ihr zur Kirche der Hl. Emma. Von dort pilgern wir schweigend und frohen Mutes auf dem slowenischen „Emma-Weg".
Zum Abendessen sind wir in der katholischen Gemeinde in Rogaska Slatina eingeladen und werden dort vom Bibelkreis der Pfarrei und von den Frauen des Weltgebetstagskomitees herzlich begrüßt.

Greta, eine gebürtige Slowenin, berichtet über die Entwicklung des Weltgebetstags der Frauen in Slowenien mit dem Thema „Informiert beten. Versöhnt handeln: Der Weltgebetstag als ökumenische Bildungs- und Versöhnungsarbeit". Im Jahr 2000 wurde er von ihr in ihrem Heimatland eingeführt. Pfarrer Horst Harbig übersetzte 2003 die Weltgebetstagsordnung und das Weltgebetstagsbüchlein ins Slowenische, und inzwischen wird der Weltgebetstag in sechs Orten Sloweniens abgehalten. Sogar der Bischof von Maribor lernte den WGT in Rogaska Slatina kennen.

Greta rief außerdem vor ein paar Jahren einen Nikolausbazar ins Leben, um bedürftigen Familien zu helfen. Diese Nikolausaktion findet jährlich statt und erbrachte im letzten Jahr 2400 € . Mit dem Geld gingen die Frauen mit den bedürftigen Familien zum Einkaufen und kleideten 18 Kinder für den Winter ein.

Zum Ende des informativen Abends singen wir gemeinsam auf slowenisch und deutsch „Großer Gott wir loben dich" und kehren bereichert durch die Begegnung mit gastfreundlichen, liebenswürdigen Menschen zurück ins Hotel.

Uta


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Empfang im Büro des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission in Lubljana
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werben für die Europawahl 2009
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auf dem Egeriaweg, geht es an der Ema Kirche und dem Ema-Weg entlang
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gemeinsam singen auf slowenisch und deutsch, das verbindet mehr als viele Worte