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Freitag, 26.09.2008
Vor Abfahrt nach Limbus führt uns Jürgen Rothmeier durch den geschichtsträchtigen Badeort Rogaska Slatina.

Unser heutiger Pilgerweg sollte uns anschließend von Limbus nach Ruse auf einem Teilstück des slowenisch-österreichischen Jakobsweges führen, und an der Drau enden. Aber wie so oft auf unserem bisherigen Pilgerweg von Spanien angefangen entpuppte sich der alte Jakobspilgerweg am Ufer der Drau als die direkte Straßenverbindung mit Bebauung und unzugänglichen Firmengeländen.

Der ortsansässige Pfarrer empfiehlt uns einen kurzen Weg an der Drau entlang und meldet uns bei seinem Amtsbruder in Ruse an. Wir entscheiden uns jedoch für einen steilen Waldweg hinauf in die Weinberge, den das Projektteam schon im März vorgegangen war. Der Weg führt durch die Feldmark in die Berge. Hier verweilten wir, um die Karte zu studieren.

An einer Wegkreuzung treffen wir als „rettenden Engel" ( = Bote Gottes ) auf Larry aus York/England, der ab sofort an der Spitze unserer Schar das Pilgertempo bestimmt.

Er verweißt uns auf das älteste Weingut Sloweniens und empfahl es uns so sehr, dass wir beschlossen dort unser Pilger-Picknick einzunehmen.
Der Weg führte weiter durch ein kleines Waldstück, geschätzte 20% Steigung und mündete in eine Art Wirtschaftsweg. Hier endete der Wald, und es ging wieder einmal steil hinauf. Es wurde heller und lichter, und der Weg führte auf einen Kiesweg zum Weingut. Auf einer Wiese direkt am Weinberg, mit der Holzstatue des Erzherzogs Johann ( 1782 - 1859 ), einem Enkel von Kaiserin Maria Theresia, blickt man weit ins Tal und auf die Stadt Maribor. Seit 1822 nahm Erzherzog Johann hier seinen Wohnsitz und nannte das Weingut „Meranovo", Neu-Meran. Mit diesem Namen wollte er an sein geliebtes Süd-Tirol erinnern. An diesen Ausläufern der Südalpen befinden wir uns immerhin auf 1145m Höhe.

Auf asphaltiertem Wirtschaftsweg ging es weiter abwärts in Richtung Drau. Im Tal angelangt, versuchten wir zum Ufer der Drau zu kommen, und dann nach Ruse. Aber zunächst führte ein morastiger Waldweg wieder einmal hinauf und hinab durch den „Dschungel", vorbei an einem vermüllten Platz mit verrottenden Matratzen, großen Plastiksäcken und Undefinierbarem, verborgen unter einer löcherigen Plane. Wahrscheinlich ist diese Art der Entsorgung auch in Slowenien billiger als die legale Müllabfuhr.

Endlich die Drau! Ein kleiner unwegsamer Pfad führte auf eine Holzplattform mit einem kleinen Unterstand am Ufer des grünen Flusses. Auf der gegenüberliegenden Seite lag ein sanftes Ufer und ein gutsähnliches Anwesen mit mehreren Gebäuden. Nur hier war uns ein kurzer Blick auf den Fluss vergönnt und schon ging es wieder zurück durchs Unterholz.

In Ruse angekommen, wurden wir vom Pfarrer der romanischen Wallfahrtskirche „Ruska Mati Bozja" bereits erwartet. Wie all die Wallfahrtskirchen am alten Pilgerweg war auch diese Maria, der Mutter Jesu, geweiht. Wie schon so oft, erprobten wir mit einem Lied die Akustik der Kirche. Einfach wunderbar!

Der Bus bringt uns nach Maribor, wo wir mit Vladimira Violetta Mesaric, Pastorin der ev.-luth. Christuskirche und gleichzeitig Militärpfarrerin von Slowenien, verabredet sind. Sie zeigt uns die Kirche ihrer Gemeinde. Dort erzählt sie uns ausführlich von ihrem Einsatz im Kosovo und den Herausforderungen als Militärseelsorgerin im Alltag der Soldatinnen und Soldaten.

Ein langer Tag intensiven Erlebens ist zu Ende.

Gerda

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Vladimira Violetta Mesaric zeigt uns ihre Kirche und berichtet ausführlich über ihre Arbeit als Militärpfarrerin von Slowenien