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Dienstag, den 30.09.2008
Es ist ein strahlender Herbstmorgen, als wir das Kinder-Sommerlager und den Bauernhof in Jagnjedovac verlassen. Unser heutiger Zielort ist Papuk, ein Landschafts- und Naturschutzgebiet. Unterwegs halten wir in Slatina bei der dortigen Evangelischen Kirche. Die Pastorin, Kata Tajz begrüßt uns und erzählt über ihren Gemeindeaufbau und die ökumenische Zusammenarbeit.

Unterwegs nach Papuk kommen wir durch armselige Dörfer. In Pusima sehen wir graue, dachlose Ruinen, gleich daneben kleine rote Siedlungshäuschen, immer das gleiche Modell. Manche scheinbar bewohnt, andere leerstehend. Bei den meisten dieser unverputzten Klinkerhäuschen sind die Rollläden heruntergelassen. Vereinzelt sind alte Leute bei Gartenarbeit. Außerhalb des Dorfes am Berghang liegt ein großer Friedhof. Die Grabsteine tragen sowohl lateinische wie kyrillische Inschriften, zeugen also von der jahrzehntelangen Nachbarschaft von Kroaten und Serben in diesem Dorf. Die Kirche am Hang hat einen baufälligen Eingangsbereich unterm Turm. Der Kirchenraum selber ist möglicherweise noch benutzbar. Von außen wirkt sie ebenfalls sehr mitgenommen.

Später im Gespräch mit Kata erfahren wir die Ursache für diese merkwürdige Dorfstruktur. Die EU hat für dieses Gebiet ein Projekt unterstützt. Wer in die verlassenen Dörfer zurückkehrt (meist Kroaten, in Einzelfällen auch Serben), bekommt auf dem gleichen Grundstück ein neues Häuschen gebaut. Später erfahren wir, dass hier im Verhältnis etwa 50 : 50 Serben und Kroaten zusammengelebt haben. Nach den ethnischen Säuberungen haben sie die Gegend verlassen.

Der heutige Pilgerweg führt uns durch den Naturpark. Eine Park-Rangerin begleitet uns.
Papuk ist seit 1966 Naturschutzgebiet. Neben der Naturerhaltung und dem Artenschutz sollen auch kulturgeschichtlich wichtige Zeugnisse wie Siedlungsreste und Grabstätten aus der Steinzeit und Grabstellen von österreichischen Einwanderern bewahrt werden. Papuk beherbergt etwa 120 Vogelarten und hat einen Pflanzenreichtum, der 4 mal so groß sein soll wie der von Großbritannien. An einem aus 2 Teichen gleichmäßig gespeisten 16 m hohen Wasserfall sind auf engem Raum uralte Eruptivgesteinsmassen und junge Kalkformationen zu sehen. Die Nacht verbringen wir mitten im Naturpark in der Wanderherberge „Dom Jankovac".

Abends finden wir uns im Gemeinschaftsraum der Herberge ein, um uns über die Arbeitsformen des Ökumenischen Forums in Kroatien auszutauschen und etwas über aktuelle Projekte zu erfahren. Mirjana stellt uns sehr anschaulich das Projekt der Kinderhilfe in Belicie vor.

Johanna


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zu Gast bei Pfarrerin Kata Tasz ( sie pilgert auch einen Tag mit uns )
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das Dorf Pusima welches mit EU – Mitteln wiederaufgebaut wurde
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der Friedhof mit lateinischen und kyrillischen Inschriften gibt Zeugnis von jahrhundertelanger Nachbarschaft zwischen Kroaten und Serben.