Süd Türkei / Reisetagebuch
Sonntag, 22. September 2013

Zum Frühstück unterm Granatapfelbaum werden wir schon erwartet. Erdinç, unser Begleiter und Bergführer für die nächsten Tage, ist schon da und wir stellen uns gegenseitig vor.
Als Pilgerinnengruppe sind wir eingeladen zum Gottesdienst in die Deutsche Gemeinde in Antalya, wo wir für unseren Weg den Reisesegen empfangen. Vor der Nikolaikirche hält Pfarrer Eggert schon nach uns Ausschau. Die Kirche ist von außen betrachtet ein Wohnhaus, das sich in die Häuserzeile der Altstadt einfügt. Hinter dem Eingangsbereich weitet sich der Vorraum zu einem großen, hellen Gemeinderaum, der, durch eine Glasfront getrennt, in den Garten übergeht. Der Gemeinderaum ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Glockenklang ertönt aus einem CD-Player, bis dann die Orgel einsetzt. Wir werden als Pilgerinnen gesondert begrüßt und haben im Eingangsteil des Gottesdienstes nach den Lesungen, Gelegenheit, das Egeria-Projekt vorzustellen. Gemeinsam feiern wir mit der Gemeinde das Abendmahl und werden dann noch mal als Gruppe nach vorn gebeten. In einer kleinen Ansprache erinnert Pfr. Eggert an die Weggeschichten der Bibel, die allem christlichen Pilgern zugrunde liegen und in denen Menschen einer Verheißung oder einer Sehnsucht folgen.
Nach dem Gottesdienst ist bei einem Kirchencafe Gelegenheit für Gespräch und Austausch. Zum Abschied versammeln wir uns zu einem Foto für die Internetseite der Gemeinde. Auch dem ausliegenden Gästebuch der Gemeinde entbieten wir einen Gruß. Johanna reimt Egeria auf Antalya, und dann verabschieden wir uns aus diesem herzlichen Beisammensein. Deutsche Gemeinde Antalya

Am Nachmittag wollen wir eine erste Etappe pilgernd unter die Füße nehmen und verlassen mit dem Bus die Großstadt Antalya in Richtung des antiken Perge. Unterwegs sehen wir zwei mit Rucksäcken beladene Wanderer und fragen, ob wir sie mitnehmen können. Es sind deutsche Studenten, die schon auf dem lykischen Weg unterwegs waren und nun noch nach Perge wollen. Hier hat einst der Apostel Paulus seine Reise auf dem Kleinasiatischen Festland begonnen und, wie in der Apostelgeschichte Kapitel 13 bezeugt, seine erste Predigt in dieser Stadt gehalten. Wir lassen aber die Ruinenstätte und die Souvenierverkäuferinnen auf dem Parkplatz unbesehen und steuern unseren Ausgangspunkt in Güljökü am Aksu-Fluss an. Mit einem geistlichen Wort auf den Weg brechen wir auf. Die erste Stecke Wegs mutet wie eine Prozessionsstraße an. Wir gehen auf einer schattigen Allee zwischen hoch aufragenden Palmen, bis der Weg jäh endet und wir vor einem eisernen Gatter ankommen. Hier müssen wir eine Leiter hinabsteigen in das Flussbett, um den Aksu an einer Furt zu überqueren. Es geht über bemooste Steine und Sandbänke bis zu einer Behelfsbrücke.
Am anderen Ufer folgen wir den Wasserläufen durch eine große Ebene mit Plantagen und Feldern. Überall wird unser Weg von großen Betonrinnen gesäumt, die auf steinernen Füßen durch die Landschaft führen und das lebendige Nass in die Gärten und Anpflanzungen tragen.
Am frühen Abend beenden wir ihn in Akçapınar und finden unseren Bus wartend vor der Moschee. Ein paar Dehnungsübungen müssen noch sein nach dieser ersten Pilgerei, auch wenn die Männer im Teehaus und ein paar herbeigelaufene Kinder uns mit offenem Mund bestaunen....

Unsere Bleibe für die Nacht ist Erdinçs Pension, die allerdings zwei Busstunden entfernt im Gebirge liegt. Nach langen Serpentinen kommen wir an und werden schon freundlich von Erdinçs Frau erwartet. An einem reich gedeckten Tisch speisen wir unter funkelndem Sternenhimmel. Zwischendurch erreichen uns per sms die ersten Hochrechnungen der heutigen Bundestagswahl aus der Heimat, die uns so fern erscheint wie einer der Sterne über uns.

Carola

 

 
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