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Dienstag, 25. September 2012

Mit einer Autofähre, die an enger Stelle östlich von Bursa das Marmarameer in einer halben Stunde überquert, nähern wir uns Iznik, dem vormaligen Nicäa.
Vom Nordufer des langgestreckten Iznik-Sees kommend, fahren wir durch grüne Obst -und Gemüsekulturen. Am Südufer des Sees liegt unsere heutige, auf dieser Reise erste Fußpilgerstrecke.
Nach gemeinsamem Picknick unter Feigenbäumen schicken wir den Bus vor und wandern, geleitet von einem Segenswort, nach Iznik.
Der Blick über den See fällt auf grüne, bergige Landschaft mit gepflegten Olivenhainen und Gemüseanbaugebieten. Zwischendurch finden wir immer wieder gefasste Brunnen mit Trinkwasser. Nach knapp zwei Stunden und ca. 8 oder 9 km erreichen wir unter der späten Nachmittagssonne Iznik.
Einige probieren gleich am Hotel den See zum Schwimmen aus, andere machen einen ersten Stadtbummel.
Nach dem Abendessen sind wir zum gemeinsamen Gang in die Innenstadt verabredet. Die alten Stadtmauern und die Reste der vier Stadttore stehen noch. Unser Ziel ist die alte Hagia Sophia, eine Basilika aus dem 11. Jahrhundert. Sie steht an der Stelle, wo 325 n. Chr., sechzig Jahre ehe Egeria sich in Nicäa aufgehalten haben mag, das berühmte Nicänische Konzil, das erste Ökumenische Konzil, stattgefunden hat.
Das alte Backsteingemäuer mit schöner 3teiliger Apsis dient heute als Moschee.
Als wir zu dieser Abendstunde ankommen, findet gerade das muslimische Abendgebet statt, die Gläubigen sitzen quer in der nach Osten ausgerichteten Kirche und beten, wie alle Muslime, gen Mekka. alt

Im freundlich angelegten Garten bei der Moschee indessen stören wir niemanden, und Carola erläutert uns detailreich, wie es zu diesem kirchenpolitisch so wichtigen Ereignis kam und was es bewirkt hat. Damals entstand bei dem Konzil, dem 318 Bischöfe aus der ganzen damaligen Christenheit beiwohnten, das gemeinsame „Glaubensbekenntnis", das Nicänum.
Dieses frühe und im langen Ringen gefundene Bekenntnis gilt als das meistanerkannte christliche Bekenntnis, dass noch heute in jeder Glaubensrichtung der Christen (Orthodoxe, Lutheraner, Katholiken, Altkatholiken etc.) gültig ist. Wir sprechen es an seinem Entstehungsort gemeinsam und tauschen uns über die einzelnen Aussagen und ihre Bedeutung für unseren Glauben aus.
Als wir uns einen letzten Blick auf die Moschee und das später angebaute Minarett gönnen, steht die Sichel des jungen Mondes mit dem strahlenden Abendstern genau darüber. Ich empfinde das als Verheißung und kann mich daran freuen, dass diese alten Mauern aus christlicher Zeit noch heute Glaubenden eine Heimstatt gewähren und nicht abgerissen worden sind.
Johanna