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Mittwoch, 26. September 2012

Der Ruf des Muezzins dringt von fern in den Schlaf und schleicht sich wieder hinaus, bis mich ein melodischer Wecker endgültig in den Tag holt. Da nach dem Frühstücken auf der Terrasse bis zur Abfahrt noch Zeit ist, mache ich mich mit meiner Kamera auf den Weg zur Aya Sophia, um noch ein paar Fotos dieses historisch wichtigen Gebäudes zu bekommen. Auf einem kleinen Umweg über das Römische Theater mit Resten eines späteren Kirchenbaus begegnen mir viele Schulkinder in ihren roten und blauen Schulkleidungen.
Die heutige Tagesroute führt von Isnik nach Nallihan. Der Lärm der Straße und eine Menge Sandstaub dringen durch die geschlossene hintere Bustür, während Marliese ein Interview mit Feridun Zaimoglu, dem Autor von „Kanak Sprak", vorliest. Die Suche nach einem Weg, auf dem wir uns pilgernd dem nächsten Übernachtungsort Nallihan nähern wollen, gestaltet sich als schwierig. So bleibt es nur bei einem Picknick, das wir vorzeitig abbrechen, als sich herausstellt, dass der Bus einen Achsschaden hat. Trotzdem erreichen wir in langsamer Fahrt das „Haus des Lehrers", eine Lehrerbildungseinrichtung in Nallihan, unbeschadet. Unser Fahrer Ismail fährt den Bus in eine Werkstatt. Währenddessen machen wir uns nach dem Kofferverstauen in den Mehrbettzimmern auf den Weg zu einer Locanta, die Johanna für uns schon ausgekundschaftet hat. Wir bestellen Suppe und „Pide", sehr leckere, pizzaähnliche, mit Käse überbackene Teigstücke. Der Wirt bringt außerdem noch vier Schüsseln bunten Salat. Das ist das „ikram" - ein Gastgeschenk des Hauses! Solche Gabe werden wir in kleineren Ortschaften öfter noch bekommen. Sie sollen ausdrücken, dass es dem Wirt zur Ehre gereicht, die Gäste zu bewirten. Seine Gastlichkeit ist herzlich und ansteckend fröhlich.
Den Tagesausklang gestaltet Gerda M. mit einer Andacht in der riesigen Schulaula, in der uns der Hausmeister Tee anbietet, wozu Waltraud I. Baklava spendiert.
Margit