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Samstag, 29. September 2012

Der morgendliche strahlend blaue Himmel hängt voller Heißluftballons, als wir vom Hotel aus zu Fuß nach Cavuşin, Paşabaği und Zelve starten. Zuvor haben wir Elvira ein Geburtstagsständchen gesungen und uns ausgiebig beim Frühstück mit süßem und salzigem Gebäck und mit verschiedenen Früchten gestärkt.
Beim Gang durch Avanos überqueren wir auf einer Hängebrücke den mitten durch die Stadt fließenden längsten Fluss der Türkei, den Kizilirmak (Roter Fluss), der seit Jahrhunderten den für die Stadt so wichtigen Ton anschwemmt. Margit hält die Morgenandacht im Schatten einer großen Trauerweide.
Cavuşin ist ein Ort, dessen Felsenwohnungen 1939 in Folge des großen Erdbebens im 700 km entfernten Erzurum teilweise zerstört wurden. Die aus dem 10. Jahrhundert stammende, in den Felsen geschlagene und wunderbar ausgemalte Nikephorus-Kirche ist zu besichtigen. Sie enthält Motive wie Geburt und Taufe Jesu, Flucht nach Ägypten, Heilung des Blinden, Auferstehung des Lazarus, Einzug in Jerusalem, Abendmahl, Jesus vor Pilatus, Grablegung, Himmelfahrt u.a. Unser gemeinsames Lied "Dona nobis pacem" in der benachbarten Höhle wird nicht von allen friedlich aufgenommen und von einem aufgebrachten Aufseher untersagt.
Der Weg nach Paşabaği, das sog. „Tal der Mönche", führt uns vorbei an zahlreichen Feenkaminen. Das sind hohe Türme, an denen sich einzelne Gesteinsschichten gut erkennen lassen und die einen Hut tragen. Sie sind vor Millionen von Jahren entstanden durch gefestigten Steinstaub von Vulkanen, der durch Erosion allmählich geformt und durch das Dach aus schwerem Magma vor dem Verfall geschützt wurde. Auch der Simeonsturm ist so ein Turm, benannt nach dem einst in Syrien lebenden Säulenheiligen Simeon. Er enthält eine Kapelle und Wohnräume. Wir machen Mittagsrast im Schatten eines Felsenkegels. Durch Weingärten, in denen die Reben am Boden wachsen und z.T. noch ein paar sehr süße Trauben tragen, und entlang von Obstbäumen, laufen wir über sandige Wege nach Zelve. Dieser Ort und seine Felsenwohnungen mussten 1950 geräumt werden, nachdem viele Gesteinsbrocken vom Berg gebrochen waren. Unter großen, schattenspendenden Bäumen lädt Elvira zu Tee und Kaffee ein, bevor unser Bus die meisten der Pilgerinnen zurück ins Hotel bringt. Die übrigen finden ein trockenes Wadi und darin einen Fußweg zurück nach Avonos.

Marliese

 

Pilgerin vor FeenkaminPilgerin vor Felssäulen