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Montag, 1. Oktober 2012

"Liebe Waltraud, alles Gute zu deinem Geburtstag!" So tönt es an diesem Morgen im Frühstücksraum. Damit aber nicht genug! Einige Frauen haben sich noch weitere Wünsche ausgedacht, und zwar Wünsche, die mit der Buchstabenfolge des Namens "Waltraud" beginnen. Eine originelle Idee, die der Jubilarin viel Freude bereitet.
Unser heutiges Ziel ist das Ihlara-Tal. Das Landschaftsbild dieser Gegend ist geprägt durch die Eruption des inzwischen inaktiven Vulkans Hasan, dem zweithöchsten Berg Zentralanatoliens. Regen und Frost haben zu schroffen Felsabbrüchen geführt. Der Fluss Melendiz hat eine 150 m tiefe Schlucht gebildet. Der fruchtbare Talboden war schon früh ein beliebter Siedlungsort, wie die vielen Höhlenwohnungen und Kirchen beweisen. 400 Stufen führen uns auf den Talgrund und manche Pilgerschwester mag dabei bereits wieder an den Aufstieg gedacht haben. Aber, wie sich am Ende der Strecke herausstellt, ist die Befürchtung grundlos. Die kleine Ağaçalti-Kirche, in der noch wunderschöne Fresken erhalten sind, erscheint uns für den Tageseinstieg geeignet. Waltraud F. stellt eine Verbindung her von den Töpfern von Taizé zu den Töpfern von Avanos, weil wir dort einige Tage verbringen. Eine Schale aus einer der dortigen Töpfereien lässt sie herumgehen. Jede Pilgerin kann gedanklich etwas hineinlegen oder herausnehmen. Der Einstieg endet mit dem Gebet: "Herr, mache mich zu einer Schale." Der Weg an dem kleinen Flüsschen mit der üppigen Vegetation ist zum Pilgern ideal. Lange können wir schweigend unter alten Weiden pilgern. Am Ende des Tales liegt der Ort Selime, wo, versteckt im Fels, eine der größten und besterhaltenen byzantinischen Klosteranlagen in Kappadokien zu finden ist. Alte, überraschend gut erhaltene christliche Kultur und beeindruckende Natur hinterlassen an diesem Tag einen bleibenden Eindruck. Beim abschließenden Feedback nach der ersten Pilgerwoche kommen nur positive Rückmeldungen.
Heidelore